Kolorado – Perspektiven für Halle-Neustadt

Projektteam || Markus Bader, Benjamin Foerster-Baldenius, Martin Heberle, Jan Liesegang, Christof Mayer mit Peter Arlt, Soziologe

Auftrag || Im Rahmen des Wettbewerbs Stadtumbau-Ost wurde Raumlabor vom Stadtplanungsamt Halle beauftragt, Perspektiven für Halle-Neustadt zu erarbeiten.

Broschüre || die Kolorado-Broschüre zum herunterladen: für die gesamte broschüre benötigt man alle drei dateien: >1< den titel. das ist das umschlagblatt, praktisch zu drucken auf A3. download hier. >2< die kern broschüre. hier steht alles drin. download hier. >3< das kolorado-poster. nichts ist übersichtlicher. download hier.

Projektansatz || Halle-Neustadt ist eines der letzten europäischen Idealstadtprojekte. Die Stadt wurde auf politischen Beschluß 1964 gegründet und für die Chemiearbeiter von Buna, Leuna und Bitterfeld bis in die neunziger Jahre weitergebaut. Rationalisierungen in der Industrie führten zu Arbeitslosigkeit und Wegzug, Halle-Neustadt schrumpfte von mehr als 100.000 auf um die 65.000 Einwohner. Rund ein Viertel der zu 99% in Plattenbauten liegenden Wohnungen stehen heute leer. Um mit unseren Vorschlägen möglichst direkt auf die Probleme reagieren zu können, verfolgten wir eine doppelte Strategie der Ortsanalyse: zum einen die klassische Studioarbeit mit den Mitteln des Plans, der Tabelle und der Planungsgeschichte, zum anderen die Mittel der systematischen und unsystematischen subjektiven Ortserkundungen. Wir führten experimentelle Stadtläufe durch, befragten und diskutierten mit Bewohnern, mieteten und bewohnten eine P2-Wohnung im 11. Stock, luden zum Kaffeetrinken ein, entdeckten die Menschen hinter der Hallenser Subkultur, diskutierten das Wohnen in der Platte, den Imagewandel, das Grün, den Städtebau, die Nachbarn und die Zukunft. Unser Bild von Halle-Neustadt wurde zu einem komplexen Gebilde aus sechs individuell gefärbten, vernetzten Interpretationen all dieser Wahrnehmungsebenen.


So entstand der Raumlabor-Vorschlag, Halle-Neustadt zu Kolorado-Neustadt weiterzuentwickeln: eine offene Strategie, die darauf abzielt, den ehemals homogenen Stadtteil innerlich und äußerlich zu diversifizieren, die Bewohner für die Chancen im Transformationsprozeß als Akteure zu gewinnen, mit dem Einrichten von Kommunikationsplattformen den Austausch unter den Akteuren zu stimulieren und die ganze Entwicklung mit zeitlich gestaffelten Impulsen gezielt in Gang zu setzen. Der erste Schritt ist eine radikale Neustrukturierung von Neustadt in neue Untereinheiten. Im nächsten Schritt werden für ausgewählte Teilfelder zusammen mit lokalen Teams Maßnahmenkonzepte entwickelt.

Ein wichtiger Baustein der Kolorado-Strategie ist die Installation von Aktionsknoten. Das sind Aktionen, die Leute vor Ort zusammenbringen und andere nach Neustadt holen, die sonst nicht dorthin kämen. Bestes Beispiel ist das diesjährige Theaterfestival in Halle, “Hotel-Neustadt", dessen Organisationsteam mit Benjamin Foerster-Baldenius und Matthias Rick gleich zwei Raumlabor-Aktive enthält. Herausforderung und Themenschwerpunkt des Festivals sind Halle-Neustadt, Leerstand und Perspektiven. Teil des Projektes ist es, eins von vier leerstehenden 18-geschossigen Hochhäusern im Zentrum von Neustadt, ein ehemaliges Wohnheim für 1.000 Studierende, für die Dauer des Festivals als temporäres Hotel zu nutzen.

Innerhalb des Hotelprojekts gab es Raumlabor-Plug-Ins: Mit der gocji-crew, einer Studentengruppe von Markus Bader an der BTU Cottbus, untersuchuten wir, wie die beim Abriß von Gebäuden anfallenden überflüssigen Materialien und Strukturen als Ressource begriffen werden können. Experiment: Wie kann man mit 50 Türen in einem heruntergekommenen Hochhaus temporäre Wohnenklaven schaffen? Wir wohnten und bauten eine Woche lang vor Ort. Im Rahmen des Hotel-Neustadt-Festivals erprobten wir dann den Freizeitwert von 50 weiteren Türen in Konfrontation mit dem öffentlichen Raum: Zusammen mit Jugendlichen aus verschiedenen Hallenser Radfahrszenen bauten wir daraus einen Fahrrad-parcours auf dem Neustädter Platz.

vertieft || das Feld im Zentrum des WK III = Wohngebiet am Tulpenbrunnen wird zur Zeit vertiefend untersucht. Der Zielbestimmungsworkshop multi-plan fand vom 29.11. bis 02.12. in Halle-Neustadt statt. das resultat ist eine karte des kerngebiets mit den eingetragenen stimmen und plänen der unterschiedlichen akteure. sie ist in der ehemaligen eisdiele im gebietszentrum zu sehen. für zu hause oder im büro ist die datei hier herunterzuladen (pdf; 110 seiten A4 ~=~ 3.6m * 1,8m ; 6,7MB)

im März 2005 veranstalteten wir im Zentrum des dritten Wohnkomplex - im öffentlichen Raum - den Ideen-Markt, eine maßgeschneiderte Ideenwerkstatt mit Anwohnern und Entscheidungsträgern. zum herunterladen hier die kurzzusammenfassung des ideen-marktes und die ersten daraus entwickelten projektideen.


in kooperation mit f.hehl / ideenaufruf + workstation-berlin, pio torroja ++ / m7 / buenos aires, jeanette dorff / quartiersmanagement, im auftrag der stadt halle / saale

 

kolorado ist veröffentlicht :

IzR 3/4.2006 stadtumbau in großsiedlungen | arch+ 166/167, dez 2003 || quaderns der arquitectura, mai 2004 || 'hier entsteht', strategien partizipativer architektur und räumlicher aneignung, b_books 2004 || die in verbindung zum projekt entstandenen türbauten wurden im deutschen pavillon auf der architekturbiennale 2004 in Venedig gezeigt

 

kolorado ist ausgezeichnet :

das raumlabor_berlin empfing eine auszeichnung für dieses projekt beim hans-schäfer preis 2004 des BDA || benjamin foerster-baldenius erhielt stellvertretend für das raumlabor-berlin den erich schelling architekturpreis

links zu halle-neustadt || kurzbericht vom MDR anläßlich des 40.ten stadtjubiläum --> hier || halle-neustadt -- info --> hier || die akademie auf zeit und das symposium 'fragen an die moderne', eine initiative der stadt halle ||